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Reinhold Paul holt Deutsche und Weltmeisterschaft

Geboren wurde er in Amerika und wuchs auf in New York im Stadtteil Bronx - als Zwölfjähriger kam er mit seinen Eltern wieder nach Deutschland und landete in Waldkraiburg. Entdeckt wurde er damals selbst bei einem Lehrgang von keinem Geringeren als dem späteren Speerwurf-Olympiasieger Klaus Wolfermann. Bayerischer Männer-Meister wurde er erstmals im Jahr 1983 mit überragenden 73,70 Metern und hielt sich seitdem über zehn Jahre unter den besten Speerwerfern in Deutschland. Zweimal stand er sogar damals im Finale bei den deutschen Titelkämpfen, doch danach machte er dennoch eine 15-jährige Pause. Als Heimtrainer, Kader- und Landestrainer formte er knapp 30 deutsche Meister, von denen zwei Junioren-Weltmeister und eine Europameisterin wurde.

Im Jahr 2005 fing er mit 49 wieder selbst mit dem Speerwurf an: Bronze bei der DM und Vierter bei der Europameisterschaft waren hier das Resultat in der Saison 2006. Im letzten Jahr wurde er bereits deutscher Winterwurf-Meister sowie DM-Zweiter im Sommer und Vierter der Welttitelkämpfe. «Vor drei Wochen wurde ich deutscher Meister und jetzt bin ich Weltmeister. Das ist doch wirklich der absolute Wahnsinn, oder?», realisiert Reinhold Paul seine aktuelle Saison - eben erst von seinem Riesentriumph aus Frankreich nach Hause gekommen - und zugleich seinen größten sportlichen Traum. «Das kann ich selbst noch gar nicht richtig glauben und das ist wirklich ein wunderschönes Gefühl, nachdem ich bei der Medaillenvergabe in den letzten beiden Jahren immer nur Vierter wurde».

Jetzt hat es der Routinier geschafft, obwohl der am Jagdflugzeug Eurofighter zuständige Data-Quality-Mitarbeiter der Firma EADS täglich stolze 260 Kilometer zum Arbeitsplatz nach Manching zurücklegt und damit nur wenig Zeit für sein eigenes Training hat. Dieses Welt-Gold kann ihm keiner mehr nehmen - und er hat sich diesen Erfolg auch redlich mit eisernem Training verdient. In Clermont herrschten in der Tat «echte» Winterwurf-Bedingungen.

Mit null Grad Celsius und einem eisigen Wind hatte es der erfahrene Athlet im Felde seiner Konkurrenten der Altersklasse M50 auch nicht leicht. «Der Wettkampf war so spannend wie noch nie», schilderte Paul. «Ich war bis zum dritten Versuch in Führung, danach verdrängten mich meine Gegner auf den dritten Rang».

Innerhalb von einem Meter Abstand lagen bis zum sechsten und letzten Versuch schließlich alle drei Erstplatzierten. «Als letzter Werfer und mit dem letzten Versuch wusste ich, dass ich noch die Chance habe zu gewinnen», schilderte der Heldensteiner seine Möglichkeiten. Mit vollem Risiko schreitete er schließlich zur Tat: Er lief an, traf den Speer perfekt und damit übertraf die Weite sogar seine eigenen Erwartungen. «Der Speer flog um fast fünf Meter weiter als die meiner Gegner.

Da war klar, dass ich den großen Wurf gelandet hatte», erzählte der 50-Jährige mit einem strahlenden Lächeln. Mit überragenden 56,52 Metern wurde er verdient neuer Weltmeister der Männer M50. Mit großem Stolz konnte er später bei der Siegerehrung schließlich auf den Zweitplatzierten blicken, denn mit Georg Werthner lag einer der erfolgreichsten österreichischen Leichtathleten aller Zeiten als vierfacher Teilnehmer bei den Olympischen Spielen hinter dem Landkreis-Athlet mit 51,63 vor dem Polen Marek Grzyb mit 50,96 Meter.

Auf seinen Lorbeeren möchte sich der ehrgeizige Heldensteiner allerdings noch lange nicht ausruhen. Der einzige Titel der ihm noch in seiner Sammlung fehlen würde, wäre die Europameisterschaft. Ende Juli finden im fernen Ljubljana diese Titelkämpfe statt: «Und da möchte ich mir dann vielleicht auch noch diesen großen Traum erfüllen», gesteht Reinhold Paul zuversichtlich. «Jetzt kann ich mich endlich wieder in Ruhe um meine Athleten im Großraum Mühldorf kümmern», versprach Paul. In drei Wochen wird übrigens auch die Schweizer Nationalmannschaft mit Bundestrainer einen Lehrgang bei dem erfahrenen Athlet und Trainer in Waldkraiburg absolvieren.

Dienstagabend wurde Reinhold Paul eine besondere Ehre zu Teil: «Da stand plötzlich der gesamte Leichtathletik-Verein vor meiner Haustür in Heldenstein mit einem riesigen Schild. Wir gratulieren dem Weltmeister stand da drauf und so eine Überraschung hat mich schon mächtig gefreut», so der Sportler überglücklich. Gefeiert wurde schließlich bis in den späten Abend, denn die Abteilungs-Chef-Trainerin Conny Schimeck verriet ihm, dass er der bislang erste Weltmeister im Gesamtverein VfL Waldkraiburg ist.

Reinhold Paul ist deutscher Meister

Reinhold Paul ist deutscher Meister: Bei den nationalen Winterwurf-Titelkämpfen der Senioren in Erfurt überraschte der Leichtathlet vom VfL Waldkraiburg mit der Goldmedaille.

 

Bereits in der letzten Saison unterstrich der 50-jährige Heldensteiner seine Top-Verfassung als WM- und EM-Vierter im Speerwurf. Für die Leistung fühlt sich der erfahrene Athlet allerdings noch lange nicht zu alt - und wie er selbst sagt: «Ohne eine internationale Medaille möchte ich den Sport auch nicht beenden».

In Erfurt zeigte er nun erst einmal, dass er die klare Nummer eins im Bundesgebiet ist. Lange Zeit fehlten ihm hier nur wenige Zentimeter zur Führung, und erst im fünften Final-Versuch schockte er überraschend seine Gegner mit 50,12 Metern. Als neuer deutscher Meister hatte er hier immerhin 34 Zentimeter Vorsprung auf den Zweitplatzierten Bernd Ringel von der TSG Markkleeberg mit 49,78 Metern (2.).

«Dieser Wettkampf war einer der schwersten in meiner gesamten Laufbahn, denn mächtige Sturmböen machten optimale Würfe nahezu undenkbar», so Paul.

Reinhold Paul ist Weltmeister

Reinhold Paul ist längst einer der erfahrensten Athleten und Trainer im Speerwurf im Freistaat.